Auf neuen Wegen und alten Pfaden.

Das Elbsandsteingebirge ist zweifelsohne eine unserer Lieblingsregionen in Mitteldeutschland. Unzählige Wanderkilometer haben wir dort in den letzten Jahren zurückgelegt und wurden mit beeindruckenden Sonnenauf- und Untergängen belohnt. Doch eine Tour stand noch auf unserer To-do-Liste.

Unsere Wanderung führte uns auf einsame Pfade mit beeindruckenden Aussichten, abwechslungsreicher Natur sowie einigen Kletterabschnitten.

Der Ausgangspunkt unserer Wanderung ist die Parkfläche am Beuthenfall. Diese bieten Platz für ca. 25 Fahrzeuge und ein Tagesticket kostet aktuell 4,00 EUR. Es lohnt sich also zeitig dort zu sein, um einen der durchaus begehrten Plätze zu erhaschen. Solltet Ihr kein Glück haben, könnt Ihr auch auf den nahe gelegenen Parkplätzen Lichtenhainer Wasserfall oder Nasser Grund eine Stellfläche finden. Von den alternativen Stellplätzen ist es ein kleiner Fußmarsch Richtung Ausgangspunkt – es lohnt sich!

Darf es ein wenig mehr Abwechslung bei der Anreise sein? Dann ist doch eine Fahrt mit der einzigen Straßenbahn, die in einen Nationalpark einfährt, der perfekte Start in einen Wandertag. Mit der Kirnitzschtalbahn kommt Ihr von Bad Schandau aus bis Startpunkt Beuthenfall.

Alle Infos inkl. Fahrplan findet Ihr hier: http://www.ovps.de/Verkehrsmittel/Kirnitzschtalbahn/443/

So viel zum Intro, jetzt geht’s (endlich) los oder doch noch nicht?!

Denn da standen wir nun mit „etwas“ müden Gesichtern am Parkplatz Beuthenfall. Bis zum Sonnenaufgang hatten wir noch gut eine Stunde Zeit. Laut unserer vorgeplanten Route sollten wir die Häntzschelstiege innerhalb von 30 min erreichen. Wieder hängt uns die Zeit im Nacken! Wir starteten unseren GPS-Tracker (die Route findet Ihr am Ende zum Download) und folgten dem befestigten Dietrichsgrund. Die ersten Wandermeter sind ja bekanntlich die schwersten und so erwartete uns zum Glück ein gleichmäßiger Anstieg ohne große Anstrengung.

Nach 15 min folgten wir dem unteren Affensteinweg mit Blick auf den markanten Bloßstock. Dieser ließ uns schon erahnen, welchen Höhenunterschied wir überwinden müssen. Die letzten Minuten führten dann über Holztreppen und wir nährten uns beeindruckenden Sandsteinformationen, bis wir am Einstieg der Häntzschelstiege waren.

Da standen wir also und dachten uns „safety first“, denn haben ist schließlich besser als brauchen. Also schnell die Kletterausrüstung angelegt und hinauf ging es. Vermutlich wurde das Sicherheitsseil absichtlich ein Stück nach oben gerückt, um unerfahrene Kletterer nicht in Versuchung geraten zu lassen. Jeder der nur sporadisch klettert oder gar gänzlich unerfahren ist, sollte sich auf jeden Fall sichern – es schadet ja nicht. Eine Ausrüstung kostet kein Vermögen und s. g. Klettersteigsets gibt es bereits ab 60,00 EUR.

 Sneakerliebhaber aufgepasst, wandertaugliches festes Schuhwerk versteht sich natürlich von selbst oder eben nicht, wie wir oft schon selbst erleben mussten.

Unfassbar wer dort alles im Hochsommer seine „Klettererfahrung“ machen möchte. Scheinbar schrecken auch eindeutige Hinweise auf Schildern u.a. schwangere Frauen in modernen Flipflops oder Wanderer in Jesuslatschen vor einem Aufstieg nicht ab. Auf halber Strecke merken einige dann doch, dass die Höhenangst größer als das Vertrauen zum eigenen Schuhwerk ist – jedoch nochmal für ALLE: „Es gibt kein Weg zurück!“

Die Häntzschelstiege gilt als „der einzig wahre Klettersteig“ im Elbsandsteingebirge und ermöglicht jährlich mehr als 100.000 Besuchern den Weg auf den Felsen. An diesem Morgen waren wir allein und das war auch gut so!

Über in die Felswand eingelassene Stahlbügel und teilweise sehr luftige Abschnitte ging es hinauf.

Kurze Randnotiz: Die Zeit saß uns immer noch im Nacken aber der sichere Aufstieg ging vor. Hoffentlich kommen wir vor Sonnenaufgang an. Am Ausstieg der unteren Häntzschelstiege erwartete uns ein beeindruckender Ausblick über die hintere sächsische Schweiz im Osten. Die Sonne lässt noch auf sich warten… alles passt! Wir warteten gespannt, machten die Kamera startklar und dann ging es los.

Kennt Ihr dass, wenn die ersten Lichtstrahlen die Landschaft in ein ganz besonderes Licht tauchen?

Die westlich liegende Brosinnadel leuchtete gelblich im Morgenlicht. Ein weiteres Motivhighlight ist sicherlich die Zwergkiefer, welche auch liebevoll auf Grund ihrer Berühmtheit als „Stativkiefer“ bezeichnet wird.

Nach einigen Fotos und kurzer Pause ging es weiter mit dem zweiten Teil des Kletterspaßes. Es empfiehlt sich, den Rucksack abzusetzen und den Bauch kurz einzuziehen. Andernfalls bleibt man ggf. wie Santa Claus im Kamin stecken. Nach ca. fünf Metern „durchquetschen“ in den Felsspalt, ging es über Stahlbügel senkrecht nach oben. Ein kleinen Adrenalinschub bekommt man kurz vor Erreichen des festen Bodens. Hierzu geht es nämlich in luftiger Höhe über Metallstufen von einer Felswand zur anderen. Auch der zweite Teil wurde mit einer schönen Rundumsicht belohnt.

Einen Apfel zur Stärkung später folgten wir dem oberen Teil des Kletterpfades und der Affensteinpromenade in Richtung Südosten (ca. 1.2 km). Wir durchquerten dabei die wildromantische Landschaft mit tollen Aussichtsmöglichkeiten. Für uns als leidenschaftliche Fotografen, fiel es schwer nicht ständig den Auslöser zu drücken. KLICK!

Die grünen Schluchten auf dem weiteren Weg brachten eine überraschend angenehme Abkühlung von den sommerlichen Temperaturen und eine abwechslungsreiche Vielfalt von Fauna und Flora. Dabei durchkreuzten wir die etwas abschüssige Wolfsfalle und überwunden beim Satanskopf ein kleines Felsentor. Abenteuer pur! Während der morgendlichen Wanderung trafen wir kaum Menschen an und konnten somit bei teilweise absoluter Stille entschleunigen, den Alltag vergessen sowie dem „Biolärm“ lauschen.

Die Idagrotte am Frienstein sollte unser nächstes Ziel sein. Im Uhrzeigersinn umwanderten wir den Frienstein und überkletterten ein paar Felsen. Kurz vor dem Ziel ging es noch mal über einen schmalen Felsabsatz. Leichtes Bauchgrummeln vor dem Frühstück gab es beim Überqueren bzw. Blick in die Tiefe, jedoch gaben uns in den Sandstein eingelassene Haltegriffe die nötige Sicherheit.

Die Idagrotte gilt als regelrechter Besuchermagnet im Nationalpark sächsische Schweiz, doch an diesem Morgen waren wir die einzigen Besucher! Jackpot! Die Höhle, welche auch als Friensteinhöhle bezeichnet wird, gilt als geologische Besonderheit und kulturhistorisches Denkmal der Region. Direkt an der Grotte erfährt man alles Wissenswerte über die Entstehung und mittelalterlicher Nutzung dieses Felsraumes. Ein perfekter Fotospot und gleichzeitig ein toller Ort zum Verweilen. Wir nutzen also „die Einsamkeit“ und machten einige Fotos, das Licht passte und wir sind an diesem Tag wieder einmal mehr als glücklich.

Zurück ging es über den bereits bekannten Pfad ca. 500 m Richtung Königsweg. Von dort aus stiegen wir über eine Vielzahl von Treppenstufen Richtung Tal hinab. Eine halbe Stunde später erreichten wir wieder den Dietrichsgrund und liefen zum Parkplatz, der um 10 Uhr bereits überfüllt war. Bei hochsommerlichen Temperaturen bot uns die Kirnitzsch vor Erreichen des Stellplatzes noch eine wohltuende Abkühlung.

Fazit:

Wir sind schon etliche Wege sowie unzählige Kilometer im Elbsandsteingebirge abgelaufen, jedoch haben wir diese dreier Kombination zwischen Wandern, Fotografie und Klettersteig zum ersten Mal probiert. Getreu unserem Motto #seieinentdecker haben wir neue Wege beschritten, die definitiv Lust auf mehr machen. Die Tour bietet jedem kletteraffinen Naturliebhaber eine enorme Abwechslung und tolle Erholungsmöglichkeiten. Wir haben die Strecke in ca. 4h mit einigen Fotopausen bewältigt und können daher diese auch als Halbtagestour empfehlen. Für einen gelungenen Ausflug ohne Massentourismus sollte man jedoch etwas früher aus den Federn als gewöhnlich. Packt Euch zur Sicherheit ein Klettersteig-Set ein, denn Eure Sicherheit und die Eurer Wanderkollegen geht vor.

Danke an Romina und Tobi, die uns bei dieser Tour begleitet haben.

Tourenverlauf & GPS-Datei:

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