Riesengebirge entdecken: Rundwanderung zum Pantschefall und der Elbquelle

Abenteuer beginnen bekanntlich dort, wo die Komfortzone endet. In unserem Fall endet diese um 2 Uhr nachts auf einem Parkplatz in Horní Mísečky (Ober Schlüsselbauden / Tschechien).
Der Schlaf war wie immer zu kurz und der Gin am Vorabend zu köstlich. Wir sind müde und kraftlos. Vielleicht liegt es aber auch an der Höhenkrankheit, denn auf tausend Metern ist die Luft ja bekanntlich dünner. 🙂

Der Sonnenaufgang nimmt auf uns keine Rücksicht. – murmelt Chris in die dunkle Nacht.

Das Zeitfenster ist wie immer knapp und so stehen wir 15 Min. später mit Wanderschuhen und Kopflampe an einem Hang. Schnell noch ein paar selbstgemachte Energy Balls (Link) einwerfen. Wir schauen uns an und nicken. „Los geht’s“

Es folgen 1,5 Stunden Aufstieg. Entlang des gelben Wanderwegs laufen wir zielstrebig mit einer Aufstiegsrate von 500 Höhenmetern pro Stunde. Immer wieder schauen wir auf unsere GPS Uhr und gleichen den Sonnenaufgang mit unserer Ankunftszeit ab. Passt!
Bei der Landschaftsfotografie ist nicht unbedingt der Weg das Ziel, besonders nicht dann, wenn die Sonne so zeitig aufgeht. Getrieben vom perfekten Bild steigen wir auf das Plateau und folgen der einsetzenden Dämmerung in Richtung Osten. Immer wieder überqueren wir dabei kleinere Quellen und Wasserläufe und da ist ER:

Pantschefall (Pančavský vodopád) – der höchste Wasserfall im Riesengebirge.

Zugegeben das erhellende Erlebnis ist es nicht, denn unsere Kopflampen haben Mühe die komplette Kulisse auszuleuchten. Bis zum Sonnenaufgang haben wir noch eine Stunde Zeit. Vorsichtig gehen wir an den grollenden Abgrund. Schon etwas beängstigend, wenn man nichts sieht. Die nächsten 3 Stunden läuft unsere Kamera heiß und wir suchen immer wieder neue Motive in dieser vielfältigen Landschaft. Da macht es auch nichts, wenn der perfekte Sonnenaufgang ausbleibt.

Pantschefall imn Riesengebirge Wanderkollektiv

Während es im Tal mit 20 °C sommerlich warm ist, liegt auf 1400 Metern noch Schnee. Bei Temperaturen um den Nullpunkt und kräftigem Ostwind müssen wir uns wieder bewegen.

„Jetzt ein warmer Kaffee und ein Bauernfrühstück, dass wäre doch etwas“.

Wie eine Oase in der Wüste erscheint uns auf einmal die 1 km entfernte Elbfallbaude (Labská bouda). Wer schon einmal dort war, weiß was wir meinen. Keine kleine Almhütte oder Bergbaude, NEIN wir reden hier von einem Großhotel „reingezimmert“ in den Abhang. Unpassend in so einer beeindruckenden Natur.

Riesengebirge Elbfallbaude - Hotel Berg

Wir kombinieren: große Gebäude – viel Essen – wir müssen dahin! Wir reiben uns vor Freude die kalten Hände und laufen los. Jetzt würden wir normalerweise ein Foto vom Buffett zeigen, doch die Enttäuschung kommt für uns schneller als erhofft.

Tür verschlossen, kein Licht! Häää?

Ein Objekt so groß das ein A 380 darauf landen kann und kein Mensch vor Ort?! Etwas Unverständnis macht sich breit. In unserem Wanderrucksack kramen wir eine Banane und einen Apfel raus.

Egal, wir ziehen weiter.

Unterhalb von der Elbfallbaude fließt der gleichnamige Elbfall (Labský vodopád) ins Tal. Schon beeindruckend, wenn man bedenkt, dass 1.100 km weiter dieser kleine Wasserfall in die Nordsee mündet. Hier lacht das Fotografenherz. Selten sind wir bei unseren Touren so einsam und ungestört unterwegs.

Elbfall im Riesengebirge
Elbquelle - Zulauf Elbe im Riesengebirge

Wir steigen zu den Schneegruben (Śnieżne Kotły) auf und folgen dem kleinen Pfad der sich durch eine Landschaft schlängelt wie in den schottischen Highlands. Mit solch einer Vielfalt haben wir nicht gerechnet. Schnell wird uns aber klar, dass die Schneegruben an diesem Tag zu „Nebelgruben“ umgetauft werden. Je höher wir kommen desto dichter wird der Nebel, bis wir gänzlich umschlossen sind.

Wanderer Wanderkollektiv Person im Nebel
Riesengebirge - Pantschefall Wandern zur Elbquelle

Nur noch 100 m, dann haben Sie ihr Ziel erreicht.

So in etwa signalisiert es uns die GPS Uhr. Der markierte Weg ist nur noch schwer auszumachen. Die Sichtweite ist auf unter 10 m abgesunken und wir laufen durch die Wolken bis zum Aussichtspunkt. Ein schöner Spot, wenn man etwas sehen würde. Wir sind uns einig, hier ist heute kein Fotowettbewerb zu gewinnen.

Schneegruben im Nebel - Riesengebirge

Der Magen meldet sich zum richtigen Zeitpunkt und erinnert uns frecher Weise an unser entgangenes Frühstück. Ein guter Grund den Rückweg anzutreten. Wir führen die Rundwanderung über die symbolische Elbquelle fort. Ein unscheinbarer Ort der für die Selfiegeneration gedacht ist. Wer jedoch denkt, dass dort die Elbe entspringt, den müssen wir enttäuschen. Die eigentliche Quelle liegt 300 m westlich auf einer Wiese, geschützt durch den Nationalpark. Richtig so! An einen Halt denken wir nicht, denn wir wollen wenigstens das Mittagessen nicht verpassen. Nach insgesamt 8,5 Stunden 1.000 Höhenmetern und 2.600 verbrauchten Kalorien erreichen wir unseren Ausgangspunkt und freuen uns auf flüssige und feste Nahrung.

Riesengebirge Wandern Pantschefall zur Elbquelle

Fazit:

Das Riesengebirge braucht sich keinesfalls verstecken und bietet nicht nur zur Skisaison einen attraktiven Urlaubsplatz. Für uns als „Flachlandtiroler“ ist es neben der Sächsischen / Böhmischen Schweiz, die Möglichkeit Berge abseits der Alpen zu betrachten. Nur zwei Autostunden von der deutschen Grenze (Görlitz) entfernt bietet sich die Region ideal als Wochenendtrip an. Wir jedenfalls kommen wieder, denn neben dem größten Wasserfall Tschechiens gibt es noch einiges mehr zu Entdecken.

Tourenverlauf & GPS-Datei:

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